
"Wut" – ein Stück Fernsehen, wie man es in dieser schonungslosen Konsequenz selten sieht, mit ungeschönten Dialogen und ohne Happy End: Oktay Özdemir als türkischer Drogendealer Can quält und demütigt seinen deutschen Mitschüler Felix Laub (Robert Höller). Dessen Vater, Hochschuldozent Laub (August Zirner), tritt für seinen Sohn ein und gerät schließlich mitsamt seiner Frau Christa (Corinna Harfouch) selbst in den Focus des von Verachtung getriebenen Can und seiner Bande. Dem schwierigen Thema Integration wollte sich die Produktionsfirma Colonia Media gerade nicht politisch korrekt nähern. Stattdessen zeigt der Film die bittere Realität: Sprachlosigkeit, obszöne Gewalt und schier unüberwindliche Gegensätze zwischen islamischer und westlich-christlich geprägter Kultur. "Wut" ist sicher die mutigste ARD-Produktion des zurückliegenden TV-Jahres: Ein herausragender Film mit herausragenden Darstellern, der durch seine Radikalität in der Lage war, endlich mal wieder eine öffentliche Debatte anzustoßen. Doch auch die ARD verlegte kurzfristig die Ausstrahlung des konfliktreichen Stoffs auf die Zeit nach 22 Uhr.
Kategorie: Bester deutscher Fernsehfilm
Laudator: Nicolette Krebitz